Wie alles begann... oder "musenseele goes online"

Ludwig und Wilhelm Hofelich, diese beiden deutschen Landschaftsmaler sind Ihnen vielleicht ebenso unbekannt wie mir, als ich zum ersten Mal mit ihren Werken in Kontakt kam. Bevor ich näher auf die beiden Künstler eingehe, möchte ich kurz schildern, wie alles begann.

Durch einen glücklichen Zufall hatten wir die Möglichkeit, einen größeren Posten Gemälde aus dem Nachlass Wilhelm Hofelichs zu erwerben; hauptsächlich Öl auf Malkarton oder Leinwand, Tempera, Pastelle und Skizzen, allesamt ungerahmt und in unterschiedlichster Erhaltung.

Nachdem die Bilder, die uns am besten gefielen, frisch gerahmt an den Wänden hingen, kam ich ins Grübeln: Was sollte mit den übrigen geschehen? Wir konnten unmöglich alle Gemälde behalten! Als ich über eine Vermarktungsmöglichkeit nachdachte, kam mir eBay in den Sinn. Da ich aber, was den Umgang mit Computern anbelangt, recht unbedarft war - selbst Briefe schrieb ich noch ganz konventionell von Hand - brauchte ich zur Umsetzung dieser Idee zunächst die Unterstützung meiner Kinder. Sichtlich erfreut, dass ihre Mutter endlich bereit war, "moderne Zeiten" anbrechen zu lassen, erteilten sie mir bereitwillig die ersten Lektionen, und hoch motiviert erwarb ich rasch die nötigsten elementaren Kenntnisse.

Die Namensfindung, um eBay-Mitglied werden zu können, erforderte einiges an Fantasie. Da es Millionen von Mitgliedern gab, schien jeder nur denkbare Name bereits belegt zu sein. Auch vermeintliche Eigenkreationen - selbst die ausgefallensten Kombinationen aus Quechua und Spanisch! - waren von anderen Leuten schon vor mir erdacht worden. Und so glaube ich mich daran zu erinnern, dass der Rechner gnadenlos an die 200 Versuche wieder ausspuckte, ehe er endlich "musenseele" akzeptierte. Ausgerechnet "musenseele", so hatte mich ein lieber Mensch in einem Gedicht genannt; und tatsächlich gab es bis zum 21.01.2004 kein eBay-Mitglied dieses Namens! Es konnte also losgehen!

Quasi als Probelauf stellte ich zunächst erst einmal einige antiquarische Bücher ein, bevor ich mich mit Werken Wilhelm Hofelichs auf den digitalen Marktplatz wagte.

Zu meiner Überraschung wurden seine Gemälde sofort sehr gut angenommen. Ich erhielt positive Rückmeldungen zufriedener Kunden aus dem In-und Ausland. Einer meiner ersten Käufer schickte mir Email-pics seiner Neuerwerbung, nachdem er diese top-gereinigt und gerahmt vom Restaurator zurückbekommen hatte und ließ mich so teilhaben an seiner Begeisterung und Freude. Es entwickelte sich ein reger, interessanter Email-Kontakt mit einem immer größer werdenden Kreis treuer Hofelich-Kunden. Und dabei gab es wunderschöne Momente. So ersteigerte ein Ebayer ein Stuttgarter Motiv, das seinen "Rodelhügel" aus Kindheitstagen zeigte. Ein anderer entdeckte "seine" Insel, die er als kleiner Junge während unzähliger Ferienaufenthalte mit den Eltern durchwandert hatte und an der sein Herz heute noch hängt. Wieder ein anderer erwarb ein Gemälde, auf dem genau die Häuserpartie zu sehen war, die er von seinem Fenster aus erblickt. Persönliche Begegnungen mit netten, oft sehr kunstverständigen Selbstabholern setzten die Highlights so mancher Transaktion.

Je mehr ich mich nun mit den Bildern Wilhelm Hofelichs beschäftigte, desto mehr begann ich mich für den Maler selbst zu interessieren; und ich fühlte auch zunehmend eine Verantwortung in mir wachsen, an diesen fast vergessenen Landschafter erinnern zu müssen. Aus dem "Vollmer" (Allg. Lexikon d. bildenden Künste d. 20. Jh.) war nicht viel über ihn zu erfahren, folglich blieb mir nichts anderes übrig, als selbst zu recherchieren.

Glücklicherweise hatten wir einige Dokumente, Briefe, alte Zeitungsausschnitte sowie die Hofelichsche Familienchronik gesichert, die mir als Quellen dienen konnten. Und so machte ich mich daran, uralte, verblichene, zerfledderte und in gotischen Lettern gesetzte Zeitungsartikel zu lesen. Und ich versuchte handschriftliche Notizen in Sütterlinschrift zu entziffern, das sich für mich, die ich dies nicht mehr gelernt hatte, als besonders kniffelig erwies. Die Ergebnisse meiner Bemühungen möchte ich gern an Sie weitergeben, bekomme ich doch häufig Anfragen und Bitten um mehr Information über die beiden Maler.

Ich beginne chronologisch mit Ludwig Hofelich, Wilhelms Vater. Hierbei greife ich zurück auf "Thieme/Becker" (Allg. Lexikon d. bildenden Künstler), auf die Familienchronik sowie auf einige Dokumente aus Privatbesitz.



02.06.2013

© 2004-2011 Gabriele Wittfeld